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»bleib unterwegs« - die Taktwechsel-Tour 2012 Steh mit mir auf - geh mit mir los - bleib unterwegs
Es ist eine interessante Tatsache, dass es zwar eine ganze Reihe von Taktwechsel-Liedern gibt, die sich um das Weihnachtsfest drehen, dass mir aber auf Anhieb kein echtes Taktwechsel-Osterlied eingefallen ist.
Das mag damit zusammenhängen, dass die Taktwechsler/innen den allzu selbstverständlichen „Jesus-liebt-dich-Songs“ und vorschnellen „Halleluja-Gesängen“ schon immer mit einer gewissen Skepsis begegnet sind. Dies wiederum mag damit zu tun haben, dass die frühkindliche Prägung einiger Musikusse u.a. durch etliche Ave-Maria und Gotteslob-“Lehrgesänge“ erfolgte, die letztlich für diese Skepsis mitverantwortlich sind. Lieder wie »Wahrer Gott, wir glauben dir« oder »Das neue Morgenrot erglüht«, mit Textzeilen wie »du, der den Satan und Tod überwand, der im Triumph aus dem Grabe erstand (…) in deinem Blute gereinigt von Schuld, freu´n wir uns wieder der göttlichen Huld« und »Freude füllt das Erdenrund, die Hölle knirscht im tiefsten Grund« reiben sich nämlich derart heftig mit bestimmt nicht nur meinem Gottes-, Menschen- und Weltbild, dass sie mich erstmal sprachlos zurück lassen.
Ich finde Worte „zum Anlehnen“ für meinen Osterglauben eher in zeitgenössischen Liedern wie z.B. »Das könnte den Herren der Welt ja so passen« von Kurt Marti und Peter Janssens. Leider selbstredend, wenn eine Textzeile wie »der Befreier vom Tod (...) ruft uns jetzt alle zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren.« nicht das Kriterium „Gotteslob-fähig“ erfüllt hat und zaghafte Versuche, den Song in diözesanen Anhängen zu etablieren, mit der nächsten Auflage prompt wieder rückgängig gemacht wurden.
Ich finde mich und meine Erfahrung wieder in Gedanken, wie sie Ina Prätorius in ihrer Auslegung des Glaubensbekenntnisses zu Papier bringt: »Ich beginne gemächlich, indem ich den Ostereiern auf den Spazierwegen meiner Kindheit Ehre erweise und die Erinnerung an sie nicht länger aus den Gottesdiensten verbanne, die staunend das Wunder der Auferstehung Christi besingen. Meine Freundin, die sich für Astrologie und esoterische Lehren begeistert, will ich nicht mehr belächeln, sondern befragen. Und dem Pfarrer, der mich tadelt, weil ich am Sonntagmorgen im Wald spazieren gegangen bin, werde ich sagen, dass ich vorhabe, abends am Taizégebet im Nachbardorf teilzunehmen. Am leeren Grab könnten sich Leute, die den Protest gegen Gewalt und Unterdrückung nicht sterben lassen, mit denen treffen, die im frühlingshaften Erwachen der Natur ein Zeichen dafür sehen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Wir müssen einander nicht angstvoll misstrauen, sondern können gemeinsam vertrauen.« (Ina Prätorius, Ich glaube an Gott und so weiter …, Gütersloh 2011, S. 116f.)
Ob sich diese Lesarten von Auferstehung, Aufstehen und Aufstand zu einem Taktwechsel-Lied „verdichten“ werden?
Wie mühselig und keineswegs selbstverständlich Aufstehen sein kann, dass habe ich dieser Tage von Jakob, dem kleinen Sohn von Tabea und Stefan, anschaulich demonstriert bekommen. Da braucht es Vertrauen in die eigene Standfestigkeit und Vertrauen in die Hand, die sich stützend entgegenstreckt. Ein wunderbar verheißungsvolles Geschehen!
Meine Frau und ich machen gerade - nach ihrer kürzlich erfolgten Hüftoperation - in der Rehabilitationszeit ganz ähnliche Aufsteh- und Fortschritts-Erfahrungen. Es braucht Gehhilfen und zuversichtliches Vertrauen und zugleich erhält die Rede von „ich geh am Stock“ eine ganz neue und interessante Färbung... .
Taktwechsel wünscht allen mit unserer Musik Verbündeten ein gesegnetes Osterfest! Wir wünschen uns und euch den Mut zum „Aufstand für das Leben“, den wachen Blick für „stützende Hände“ und die Zuversicht, dass der Gott unseres Lebens unsere Aufsteh-Versuche nicht ins Leere laufen lässt.
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